Pfälzer Weisheiten weitgehend ungehört

Parkfest: Stefan "Hering" Cerin und Dr. Michael Beutelspacher bieten als "Duo Radikal" Mundart, Musik und überdrehte Moderation vor wetterbedingt fast leeren Rängen

 

Von unserem Mitarbeiter Matthias H. Werner

 

"Heiter sei das Leben, ernsthaft sei die Kunst" - unter Abwandlung der berühmten Schiller-Worte aus "Wallensteins Lager" gastierte am Samstag das "Duo Radikal" auf der Gartenschaupark-Jubiläumsbühne in der Lamellenhalle und übertrug gleich auch noch eine der Grundaussagen aus dem Prolog des großen Dramatikers, indem es "das düstre Bild der Wahrheit in das heitre Reich der Kunst hinüberspielt".


Diese Wahrheit offenbarte sich zunächst in extrem unwirtlichem Wetter und in dessen Folge in einer beschämenden Zuschauerzahl - das für den Nachmittag geplante Kindertheater hatten die Organisatoren ganz abgesagt, die "Radikalen" spielten vor weitgehend leeren Rängen.

Schade, hätte doch die eine oder andere Pfälzer Weisheit, die von Stefan "Hering" Cerin und Dr. Michael Beutelspacher in ein verrücktes Programm irgendwo zwischen Mundart, Quatsch und Standup zusammengezimmert wurden, auch den Rennstädtern ganz gut getan.


Zuallererst vielleicht die Erhabenheit, in der man bescheiden sein kann: Nur von einer Stehtrommel und einer Gitarre unterstützt, ansonsten aber vor allem mit den teils genialen, teils verschrobenen Ausdünstungen des eigenen Geistes und einer unerschrockenen Stimmgewalt bewaffnet, gaben sich Cerin und Beutelspacher kurzerhand selbst - ohne Showeffekte, ohne Übermut und doch von einer Größe, wie sie nur Genies so gut zu Gesicht stehen kann.


Sie schwadronierten sich entlang ihrer eigentlichen Aufgabe (der "Alzheimer-Prophylaxe") durch alle Themen von Drugs, Sex, Crime und vor allem Ernährung - und offenbarten so manche Erkenntnis aus ihrer "langen und ereignislosen Bandgeschichte".


Da muss dann auch mal Bata Ilics "Ich möcht' der Knopf an Deiner Bluse sein" dafür herhalten, die Veränderungen im Einzelhandel im Allgemeinen, in der Kundenorientierung der Verkäuferinnen im Speziellen zu veranschaulichen. Die große Stärke des Duos ist aber - neben seiner unverkrampften Art - ihre besondere Interpretationsfreudigkeit für Werke des vor zehn Jahren verstorbenen Pfälzer Mundartdichters Kurt Dehn.

Kein Wunder also, dass dessen große Hymne "Ja so en gude Palzwoi" ebenso geboten wurde wie die legendäre "Metzlsupp" mit ihrer Propaganda für Fleisch als "unser bescht Gemüs". Aber auch Dehns gesellschaftskritischen Seiten wurden nicht ausgespart und mit "En echte Pälzer racht ken Hasch, denn unsern Schdoff kummd aus de Flasch" auch Produkte "vom Nährboden der Realität" geerntet.


Nach rund zwei Stunden Programm war zumindest das Mini-Publikum um einiges schlauer - und darin einig, dass man die beiden Pfälzer Originale gern bei anderer Gelegenheit in größerem Rahmen nochmal hören will.

 

Schwetzinger Zeitung
21. Juni 2011